Sie sind hier:  Straßenverkehrszentrale BW > Verkehrsbeeinflussungsanlagen > Temporäre Seitenstreifenfreigabe > Technik und Wirkung

Technik und Wirkung temporäre Seitenstreifenfreigabe

Im Folgenden finden Sie Erläuterungen zur Technik und Wirkung von temporären Seitenstreifenfreigaben.

play_arrowTechnik temporäre Seitenstreifenfreigabe
Steigt die Verkehrsstärke über einen definierten Schwellwert, wird den Operatoren der Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg eine Schaltempfehlung zur Freigabe des Seitenstreifens übermittelt. Die Operatoren überprüfen mittels Videoüberwachung, ob die Seitenstreifen frei von möglichen Gefahrenquellen (Pannenfahrzeuge, Gegenstände, etc.) und die Nothaltebuchten unbelegt sind und veranlassen dann die Seitenstreifenfreigabe.

Verkehrsrelevante Daten (Anzahl der Kraftfahrzeuge und Fahrzeuggeschwindigkeiten) werden mit Hilfe von Multisensorensystemen (Radar-, Ultraschall- und Passivinfrarotmessverfahren) erhoben. Diese Verkehrsdaten werden an die Unterzentrale, einem Verkehrsrechner an der Strecke, übermittelt und mittels einer speziellen Verkehrssoftware verarbeitet. Anschließend werden die aufbereiteten Daten an die Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg geleitet.

Bauliche Voraussetzungen
Ein Seitenstreifen kann für den Verkehr freigegeben werden, wenn die baulichen Voraussetzungen gegeben sind. Die Tragfähigkeit muss ausreichend sein und eine Mindestfahrbahnbreite zur Verfügung stehen. Anschlussstellen sind in der Regel umzubauen, da die Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen nach außen verlegt werden müssen. Da der Seitenstreifen für seine Sicherheitsfunktion entfällt (Pannen- oder Unfall-Fahrzeuge), bedarf es zusätzlicher Nothaltebuchten im Abstand von ca. 1.000 m oder eines Nothaltestreifens.

Insbesondere die kostenaufwändige Verbreiterung von Brücken in Anschlussstellen erlaubt es oft nicht, dass zeitnah eine TSF eingesetzt wird.

Videoüberwachung
Während der Freigabe wird der Seitenstreifen von den Operatoren überwacht. Steht dort ein Pannenfahrzeug oder liegen Gegenstände auf der Fahrbahn, wird die Freigabe des Seitenstreifens aufgehoben.

Sämtliche Videobilder werden ausschließlich zur notwendigen verkehrlichen Überwachung genutzt. Der gesetzliche Datenschutz hat dabei höchste Priorität.
play_arrowSchaltung temporäre Seitenstreifenfreigabe
Die Seitenstreifenfreigabe erfolgt durch die Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg. Die Nutzung des Seitenstreifens richtet sich nach zeitlichen und verkehrlichen Kriterien. Aus Verkehrssicherheitsgründen gilt für alle Fahrspuren während der Freigabe des Seitenstreifens eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von maximal 100 km/h. Ein Lkw-Überholverbot kann bei Bedarf zusätzlich geschaltet werden.

Anzeigen bei Freigabe des Seitenstreifens
Über dem Seitenstreifen wird im Wechselverkehrszeichen die zulässige Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Der grüne, nach unten gerichtete Pfeil bedeutet, dass der Verkehr auf dem Seitenstreifen frei gegeben ist. Links und rechts der Fahrbahn wird die Anzahl der Fahrstreifen, die befahren werden können, auf sogenannten Fahrstreifentafeln angezeigt.




Rechtzeitig vor dem Ende des befahrbaren Seitenstreifens erfolgt die nebenstehende Anzeige. Der Seitenstreifen ist jetzt zu räumen. Der Verkehrsteilnehmer muss sich wieder auf die durchgehenden Fahrstreifen einordnen.


Anzeigen bei Sperrung des Seitenstreifens
Wird der Seitenstreifen gesperrt, erlischt im Wechselverkehrszeichen über dem Seitenstreifen sowohl die zulässige Höchstgeschwindigkeit, als auch der grüne Pfeil. Rote, gekreuzte Schrägbalken ordnen an, dass der Seitenstreifen nicht mehr befahren werden darf. Im linken und rechten Wechselverkehrszeichen wird der rechte Pfeil in roter Farbe diagonal durchgestrichen.

play_arrowWirkung temporäre Seitenstreifenfreigabe
Durch den Einsatz einer temporären Seitenstreifenfreigabe wird

  • die vorhandene Straßenkapazität optimal genutzt,
  • die Leistungsfähigkeit der Strecke um 20-25 % erhöht,
  • die Staubildung minimiert,
  • die Reisezeit verkürzt,
  • die Verkehrssicherheit erhöht und
  • die Umweltbelastung reduziert, da der Verkehr konstanter fließen kann.
In mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen wurden die genannten Wirkungen der temporären Seitenstreifenfreigabe bestätigt und nachgewiesen. Andere Bundesländer haben bereits positive Erfahrungen gesammelt und setzen verstärkt auf diese Technologie. Trotz des Wegfalls des Seitenstreifens bleibt durch den Bau von Nothaltebuchten und Videoüberwachung die Verkehrssicherheit weiterhin auf einem hohen Niveau.